| Geschrieben von: Ansgar Sadeghi |
| Sonntag, 03. Mai 2009 um 14:18 Uhr |
Hänneschen, Millowitsch und andere Stars — die Theaterszene KölnsBöse Zungen behaupten, Köln benötige gar keine Theater, es gäbe dort soviel Klüngel, das wäre mehr als Theater genug. Schaut man genauer hin, so ist der Kölsche Klüngel aber auch nicht schlimmer als das Theater in anderen großen Städten Deutschlands und kann Schauspielkunst nicht wirklich ersetzen. Insofern ist es eine gute Nachricht, dass Köln eine quicklebendige Theaterszene besitzt: mit großen etablierten sowie Volks- und vielen anderen Freien Theatern und Dutzenden von Theatergruppen. Vorhang auf: Werfen wir einen Blick auf die Kulisse! Die Offiziellen und Etablierten: Oper, SchauspielhausSie liegen ganz dicht beisammen, die Oper und die offiziellen Schauspielhäuser der Stadt; nutzen Sie einfach die U-Bahn, wenn Sie möchten, steigen Sie am Appellhofplatz aus und Sie sind fast schon da. Allerdings nicht mehr so wirklich lange. Großes ist mit Oper und Schauspiel der Stadt geplant, Die Oper wird komplett saniert und fürs Schauspiel wird ein siebengeschossiger Neubau entstehen. Schauspiel, Kinderoper und Studiobühne werden hier untergebracht. Geplant ist darüber hinaus ein neues Produktionszentrum. Ab 2010 soll der Bau losgehen. Der Spielbetrieb wird dann ausgelagert. Die Oper kommt vorübergehend ins Palladium in Köln Mülheim, das Schauspielhaus in eine relativ neue Veranstaltungshalle, die den Namen Expo XXI trägt und sich am Gladbacher Wall (zwischen Hansaring und Innerer Kanalstraße) befindet. 2013 sollen die neuen Spielstätten fertig sein. Aber genug von Baulichem, reden wir über Erbauliches: Maria Callas und die Mailänder Scala standen bereits auf der Bühne der Oper in Köln, deren ursprüngliches Gebäude seit 1957 existiert. Immer wieder gab es spannende Uraufführungen, die einen Besuch lohnenswert machten. Eine interessante Mischung aus Klassischem und Neuen prägt das Programm. Auch im Schauspielhaus der Stadt wird so manches Stück uraufgeführt, über das kontrovers diskutiert wird: im April 2009 etwa Elfriede Jelineks „Die Kontrakte des Kaufmanns“, das die Finanzkrise zum Thema hat. Neben dem Schauspielhaus, in dem sich derzeit auch das West-End-Theater für Lesungen und kleinere Produktionen befindet, existieren die Yacult-Halle im oberen Teil der Oper, wo beispielsweise Kurz- und Kinder-Opern aufgeführt werden, die Halle Kalk (rechtsrheinisch) für Musicals und Schauspiel sowie die Schlosserei, in dem vor allem die junge Moderne des Theaters ihren Raum findet. Puppenspiel-, Boulevard- und VolkstheaterHier wären vor allen Dingen zwei Bühnen zu nennen; einerseits hätten wir da das Theater am Dom, das zwar nicht unmittelbar am Dom liegt, aber dennoch nahe genug dran, um sich den Namen „Theater am Dom“ zu verdienen. Gespielt werden in erster Linie Komödien mit Schauspielern, die sich auch in Funk und Fernsehen einen Namen gemacht haben: Bernd Herzsprung, Karsten Speck, Anouschka Renzi, Martin Semmelrogge, Günter Pfitzmann sind nur wenige der großen Schauspielerinnen und Schauspieler, die am Theater am Dom aufgetreten sind oder immer noch auftreten. Wer also einmal schauen möchte, wie diese Damen und Herren sich auf der Bühne schlagen, ist im Theater am Dom genau richtig. Millowitsch TheaterDAS Volkstheater der Stadt Köln liegt an der Aachener Straße nahe des Rudolfplatz. Die Familie Millowitsch war bereits Ende des 18. Jahrhundert in Sachen „Theater in Köln“ präsent, damals jedoch noch mit Puppenspiel-Aufführungen. Aus Puppen wurden irgendwann Menschen und der Name Millowitsch geriet zum Synonym für Kölner Volkstheater. Berühmtester Vertreter der Familie ist bis heute Willy Millowitsch, dem auf dem Eisenmarkt vor dem Hänneschen-Theater ein Denkmal gesetzt wurde. Millowitsch war nicht nur in Köln bekannt. Das Fernsehen trug seinen Ruhm hinaus ins ganze Land. Er spielte etwa den Kommissar Kleefisch für den WDR und Aufführungen im Millowitsch-Theater wurden fürs Fernsehpublikum aufgezeichnet. 1999 starb Willy Millowitsch; das Millowitsch-Theater jedoch lebt, weitergeführt von seinem Sohn Peter. Hänneschen-TheaterKommen wir zum bekanntesten Puppenspieltheater der Stadt: dem Hänneschentheater. Die Ursprünge dieses Stockpuppentheaters reichen zurück bis ins Jahr 1802. Ein Besuch taugt gut dafür, einen ersten Eindruck von Kölschen Originalen zu bekommen: etwa von Tünnes und Schäl, die im Hänneschen-Theater regelmäßig ihre Auftritte haben. Sie werden daneben dem Hänneschen begegnen, dem Bärbelchen, dem Speimanes sowie dem Schnäutzerkowsky und anderen Figuren und so auf amüsante Weise ein bisschen etwas über Kölner Mentalitäten lernen. Musical Dome KölnDer Musical Dome steht nicht allzu weit entfernt vom Kölner Dom, dort, wo einst Busse ihren Bahnhof hatten. Respektlose Menschen behaupten ab und an, die Konstruktion dieses Domes sähe aus wie ein gigantischer blauer Müllsack. Inwieweit solche Menschen Recht haben, das sollten Sie selbst entscheiden. Fakt ist, dass der Musical Dome es in der Vergangenheit immer wieder geschafft hat, gute Musical-Produktionen nach Köln zu ziehen. Vor nicht allzu langer Zeit begeisterte „We will rock you“ viele Zuschauer, die nicht nur aus Köln kamen. „Spamalot“ von Monty Pythons`s löste das Queen-Musical ab. Viele weitere Freie TheaterMit den vorgestellten Theatern wären wir noch lange nicht am Ende, noch sehr lange nicht: Viele weitere kleine und größere Theater in Köln buhlen um die Gunst potenzieller Zuschauer. Ganz nah am Millowitsch-Theater, quasi vis-a-vis, liegt etwa das Theater im Bauturm für zeitgenössische Theater-Aufführungen, das beispielsweise mit dem Stück „Der Kontrabaß“ von Patrick Süßkind (Autor von „Das Parfüm“) einen Evergreen im Rennen hat. Gute und etablierte Adresse für Kabarett ist das Senftöpfchen, in dem bereits eine ganze Reihe großer und kleinerer Stars, oftmals noch vor ihrer Entdeckung für größere Bühnen, auftrat: Ingo Apelt etwa, Dieter Nuhr, Konrad Beikircher oder auch die Höhner. Das Senftöpfchen war auch die Location, in der Alfred Biolek sein Talk-Sofa etablierte und dadurch zu so etwas wie dem Urvater heutiger deutscher Talkshows wurde. Schlendern wir weiter durch die Kölner Theaterszene, so treffen wir aufs Horizont Theater, das ebenfalls fest etabliert ist in der Szene und als eins der renommiertesten freien Theater Kölns gilt. Und dann hätten wir da noch: - das Theater „Der Keller“ mit avantgardistischem und innovativem Theater, Viele weitere kleinere und größere Theater der freien Szene in Köln versammeln sich auf der Seite www.theaterszene-koeln.de. Vielleicht sieht man sich ja irgendwann vor einer der Kölner Bühnen? |