| Geschrieben von: Josefa Eichenseher |
| Mittwoch, 29. April 2009 um 07:24 Uhr |
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Hunnen, Römer und Normannen — das Stämmelager Kölns In Köln leben Deutsche, Marokkaner, Türken, Italiener, Spanier, Russen, Tunesier und… Hunnen, Römer, Normannen, Indianer, Ritter. Letztgenannte sind wiederum im wirklichen Leben Deutsche, Marokkaner, Türken, Italiener, Spanier, Russen, Tunesier oder Angehörige anderer Nationen und arbeiten als Schlosser, Büroangestellte, Bäcker, Metzger, Friseure und in anderen Branchen des modernen Lebens. Ab und an jedoch tauchen diese Menschen in fremde Welten und ferne Zeiten ein und bilden so die Stämme Kölns. Alle paar Jahre treffen sich diese Stämme zu einem großen Lager mit lustigem Tanz, spannenden Kämpfen und allerlei wohl mundenden Speisen. Gäste sind herzlich willkommen. Wenn dann abends die Sonne untergeht und vor den Zelten der Stämme die Feuer brennen, dann vergisst man mitunter, dass abseits vom Lager Autos parken, Bahnen fahren und dass der Himmel voller Flugzeuge und nicht voller Flugdrachen ist.
Leben bis tief in die Nacht Etwa alle drei bis vier Jahre fand das Kölner Stämmelager in den letzten Jahren seit der Jahrtausendwende statt. Zwischen dem ersten im Jahr 1993 und dem zweiten im Jahr 2000 lagen gar sieben Jahre. Im Stämmelager reihen sich Zelte aneinander, in denen Menschen in unterschiedlichster Kleidung aus unterschiedlichster Zeit die Illusion nähren, sie seien alle zurückgekehrt: die mächtigen Völker und Gruppen vergangener Tage. Die Zelte sind nicht allein Staffage; einige derjenigen, die sie aufbauen, wohnen und schlafen während des mehrtägigen Stämmelagers in ihnen und füllen das Lager bis tief in die Nacht hinein mit Leben. Es sind Menschen, für die ihr zweites Dasein als Hunne, Normanne oder Römer mehr ist als nur ab und an ein Zeitvertreib. Es ist eine zweite Existenz geworden.
Köln kennt eine Vielzahl von Stämmen Organisiert wird das Stämmelager von den KÖLNER STÄMMEN, der Gruppe, der etwa 80 der Stämme Kölns angehören. Große Städte wie Köln bieten Raum für viele von ihnen aus unterschiedlichen Epochen: Neben den bereits erwähnten Gruppen gehören beispielsweise auch Tartaren, Gladiatoren, Piraten, Bettelmönche, Präriefreunde und Schamanen in die Welt der Stämme Kölns. 2007 fand das Stämmelager in Köln zuletzt statt. Es stand damals unter dem Motto „Eine Reise durch die Zeit“. Und das war es in der Tat: Ritter übten sich im Turnier, während Gäste das Bogenschießen ausprobierten. Normannen zeigten, wie ihr Nahkampf aussieht. Hunderte von Frauen präsentieren orientalischen Tanz unter freiem Himmel, während der Mongolenfürst und sein Gefolge zuschauen. Die Luft roch nach Rauch, nach gegrilltem Fleisch. Überall boten Händler ihre Waren an: Glückssteine, orientalisches Zauberwerk, hölzerne Schwerter und die Waffen der Schriftkundigen, Feder und Papier. Irgendwie war die gesamte Szenerie archaisch mit klar verteilten Rollen. Es ist vielleicht ein Vorteil der Moderne, dass die Rollenverteilung heute weniger klar ist, nicht so einengend? Irgendwie war die Szenerie aber auch eine, die den Romantiker ansprach, die Bilder vergangener Zeiten in seinem Kopf entstehen ließ. Vielleicht zeigten diese Bilder die Vergangenheit weniger so, wie sie wirklich war, mehr so, wie wir sie uns bisweilen erträumen, aber ist das wirklich schlimm? Die Stämme selbst sind zumeist um Authentizität bemüht sind und ihre Mitglieder wurden teils zu wahren Experten für das Leben der Menschen, die sie verkörpern. Sie können erklären, warum die Landsknechte den Rittern überlegen wurden, wie die Römer das Kurzschwert nutzten, wie die Mongolen wirklich lebten. Vielleicht bleibt man als Gast bis spät in den Abend, kommt man hier und da ins Gespräch und vielleicht, auch das ist schon geschehen, wird man eingeladen, im Zelt zu nächtigen, um dort die Hektik des Alltags abzuschütteln. Der Himmel ist voller Sterne, Büros wurden noch nicht geboren und die Welt ist gut: einfach nur gut!
Das nächste Kölner Stämmelager findet 2010 statt! |
| Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 29. April 2009 um 09:42 Uhr |